Die Frage „Wem oder wen?“. Auf welche Weise hilft sie mir?

  • Als ich mit dem Deutschlernen angefangen habe, ist ein typisches Gespräch zwischen mir und meiner Deutschlehrerin ungefähr wie folgt gelaufen:

    Ich: „Der Ball gehört mich.“

    Lehrerin: „Hoppla, nicht so schell! Wen oder wem gehört der Ball?“

    Das hat mich immer genervt, denn hätte ich nur die Antwort der Frage gewusst, hätte ich den Satz nie falsch gesagt!

    Mir scheint die Situation so zu sein: Ob wen oder wem gesagt werden muss, wird von dem Kasus bestimmt, aber ob mich oder mir gesagt werden muss, wird auch von dem Kasus bestimmt. Deshalb bin ich keinen Schritt weiter: Ich muss auf jeden Fall den Kasus bestimmen.

    Später habe ich derartige Fragen oft gehört, wenn Deutsche den Fall eines Nomens enträtseln wollen. Dieses Ritual stammt vermutlich von der Schulbildung, in der es wie ein pädagogischer Trick benutzt wird, um den Kasus zu lernen. Für mich ergibt die Frage aber immer noch keinen Sinn.

    Warum hilft diese Frage dabei, den Kasus zu bestimmen? Gibt es einen logischen Grund, oder dreht es sich um das Sprachgefühl?

    Ist es anders, wenn die Frage mit einer Präposition gestellt wird? Beispiel:

    Auf wen oder wem stehst du?

    Beachtet bitte, dass ich nicht nur am Wen- und Wemfall interessiert bin, obwohl das Beispiel nur diese Fälle erwähnt und ich diese Fälle am schwierigsten finde. Das wer und wessen wäre auch in der Diskussion willkommen.

    @Deve: Danke für die Verbesserungen. Nicht nur verbessert es die Frage, es ist für mich auch eine kostenlose Deutschlektion. :)

    Gern geschehen :)

  • Phira

    Phira Correct answer

    10 years ago

    Die Verwendung dieser Fragen ist in den ersten Schuljahren üblich und für Muttersprachler auch hilfreich (interessanterweise war es aber in meiner Schule keineswegs üblich, dass die Lehrerin die richtige und falsche Version zur Auswahl gestellt hat, sondern sie hätte im Eingangsgespräch gesagt: Nicht so schnell. WEM gehört der Ball?).

    Als Gründe sehe ich:

    Gerade die Verwendung von "mir" und "mich" weicht in Dialekten häufiger von der Hochsprache ab, das ist bei den Fragewörtern eher nicht der Fall.

    Der Fall des Objekts soll auch für seltenere Wörter bestimmt werden, die Fragewörter hat aber jedes Kind schon oft verwendet und ist damit viel eher vertraut.

    Dass das Zitieren dieser Methode für fremdsprachige Lerner der deutschen Sprache lästig ist, kann ich aber gut nachvollziehen. Was die Methode macht, ist es, die Entscheidung zwischen den beiden Fällen von der tatsächlichen Formenbildung für das konkrete Wort zu trennen.

    Auch Kinder fragen falsch: *"Wen hast Du das gegeben?"*. Ich bekomme das im Moment täglich zu hören - meine Tochter ist 6.

    Es gibt beispiele für den dialektischen Unterschied zwischen *mir* und *mich* im Link von Takkats Antwort. Und mit dem letzten Satz hast du den Nagel genau auf den Kopf getroffen.

    Die richtige Frage formulieren zu müssen, hilft nicht immer. Ich wuchs in der Nähe von Graz auf, dort wurde in der Alltagssprache kein Genitiv verwendet. Ich wäre daher auch nie auf die Idee gekommen Fragen wie "Wessen Buch ist das?" zu stellen. Ich hätte stattdessen ganz selbstverständlich gefragt: "Wem sein Buch ist das?" Die meiner Meinung nach einzige richtige Antwort wäre gewesen: "Das ist dem Michael sein Buch." Mir und meinen Mitschülern mit dieser Frage-Methode den Genitiv beizubringen hätte also niemals funktioniert.

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Content dated before 7/24/2021 11:53 AM