Warum heißen Tomaten in Österreich „Paradeiser“?

  • Ich habe Paradeissuppe bestellt -- und Tomatensuppe gekriegt. Ich kann einige österreichische Worte verstehen (etwa Erdapfel, weil pomme de terre oder aardappel dieselbe Etymologie haben). Aber bei Paradeis hilft einem nichts:

    • Warum nennt man in Österreich die Tomaten Paradeiser? Stimmt das?

    The _Paradies_ (=paradise) connection sounds plausible to me. The word is on its way out, these days. "Tomate" is fine, even in Austria.

    Ich kenne den Begriff "Paradeiser" noch aus meiner Kindheit, von der Donauschwäbischen Urgroßmutter. Im Ungarischen (paradicsom) und Serbischen (paradajz) ist derselbe Wortstamm erkennbar.

  • Eva reichte Adam im Paradies einen Apfel. Das ist der Paradiesapfel. So bezeichnete man früher auch besonders auffallend rote Äpfel. Das »Paradies« (i-e) hieß aber auch »Paradeis« (e-i).

    Paradeiser

    Als dann Kolumbus Amerika entdeckt hat, kamen kurz danach viele neue Früchte nach Europa. Unter anderem eine Frucht, die einem Apfel recht ähnlich sah, und auffallend rot war. Also nannte man diese Frucht im Süden des deutschen Sprachraums »Paradeis-Apfel«. Vom Pardeisapfel war es dann nicht weit zum Paradeiser.

    Erdäpfel

    Zur selben Zeit kam auch eine knollige Frucht nach Europa, die unter der Erde wuchs. Sie sah ebenfalls einem Apfel oder einer Birne ähnlich. Also hieß diese Frucht »Erd-Apfel« bzw. »Grund-Birne«. Die »Grumba« findet man noch im Dialekt des Südburgenlandes, während der Erdapfel sich als Name in ganz Österreich durchsetzte.

    Kukuruz

    Zeitgleich kam eine dritte Feldfrucht aus Amerika nach Europa. Es ist eine mannshoch wachsende Getreideart, deren Ähren so groß sind, dass man sie Kolben nennt. Sie wurde über Ungarn nach Österreich eingeführt. In Österreich erhielt diese Getreideart daher einen Namen, der auf die Kuruzen, ein in Ungarn lebendes Volk, zurückgeht: Kukuruz. Ich weiß aber nicht, wie weit nach Westen der Name Kukuruz für den Mais verbreitet ist.

    Und: Die Grund-Birne gibt es im Schwäbischen als "Grombira" noch heute. Ich find's immer wieder schön zu sehen, wie die Begriffe die Donau runter und ggf. wieder zurück gewandert sind.

    Interessante Antwort! (Zum letzten Satz: Im Russischen sagt man Kukuruza.)

    @Stephie: Sorry, ich sollte wohl schlafen gehen. Ich habe Osten und Westen verwechselt (und nun korrigiert). Der Name kommt aus dem Osten und ist im Burgenland und in der Steiermark allgemein bekannt. Ich weiß aber nicht, ob »Kukuruz« auch in Tirol noch bekannt ist.

    Laut Wikipedia ist die "Westgrenze" irgendwo in Altbayern, also im östlichen Teil Bayerns. Schlaf' gut!

    Hm, ich werfe dann doch mal "Krummbeere" ein, wie die Kartoffel in der Pfalz genannt wird. Ist das jetzt ne Abwandlung von Grumba/Grombira oder eher umgekehrt?

    @Gerhard: Einigen wir uns auf "Varianten desselben Themas"?

    Der Name "Apfel" kommt nicht daher, dass die Früchte einem Apfel ähnlich sehen. Früher war der Begriff "Apfel" ein allgemeiner Begriff für "Frucht". Daher der "Paradies-Apfel" (eine Frucht so rot, wie man sie sich im Paradies vorstellt), der "Erd-Apfel" (eine Frucht, die unter der Erde wächst) und als englisches Beispiel "Pineapple"

    @Gerald: Die Schreibweise "Krummbeere", "Grumba" oder "Grombira" ist wohl eher zufällig. Der erste Wortbestandteil bedeutet "Krume" wie in "Ackerkrume" oder "Grund" - jedesmal also "Erde". Der zweite ist "Beere" (passend zu den kleinen giftigen oberirdischen Kartoffelfrüchten) oder "Birne" (passend zur Größe und Konsistenz der großen unterirdischen Knollen).

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Content dated before 7/24/2021 11:53 AM

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